{"id":14,"date":"2014-08-19T11:30:41","date_gmt":"2014-08-19T09:30:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/?page_id=14"},"modified":"2023-07-25T21:17:29","modified_gmt":"2023-07-25T19:17:29","slug":"gedanken-zur-kunst-von-karl-meusel","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/?page_id=14","title":{"rendered":"Gedanken zur Kunst"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph_style\" style=\"color: #584d4d;\">Abstraktionen in Blau und Rot, malerisch in ihren Abstufungen, ausgef\u00fchrt in bewegtem, strengem, ja konsequentem Duktus. Des Menschen Antlitz auf kaltgr\u00fcnem oder rotem Grund erw\u00e4chst aus kraftvoller Lineatur in kaum zu \u00fcberbietender farblicher Spannung. Lineare Einfachheit der Umrisse, Verzicht auf schellende Detailformen &#8211; diese K\u00f6pfe beherrscht ein gesammelter Ernst, eine Art gotische Beseeltheit.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Kunst von Karl Meusel zwingt zum Hinsehen, pr\u00e4gt sich ein, fordert zum Hinter fragen. Diesem Appell wollen wir Folge leisten.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Karl Meusel wurde 1912 in Neuhaus-Schierschnitz, Kreis Sonneberg, geboren. Begabung erm\u00f6glichte ihm den Besuch der Fachschule f\u00fcr Angewandte Kunst in Sonneberg. Wohl der Wille zum Noch-mehr-K\u00f6nnen-Wollen f\u00fchrte ihn an die Weimarer Kunsthochschule. Die Namen seiner Lehrer (Klemm \/ Olbricht) zeugen von unbedingter Solidit\u00e4t des Studiums. Karl Meusel erreichte den Status eines Meistersch\u00fclers im Weimarer Prellerhaus und wurde sp\u00e4ter Mitarbeiter des Studiums f\u00fcr Wandmalerei in Oberweimar, Was stand einem gl\u00fccklich erf\u00fcllten Dasein als K\u00fcnstler entgegen?<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Die Leiden der Zeit: Faschistische Diktatur, verbunden auch mit unausweichlichen Konsequenzen f\u00fcr Kunst und K\u00fcnstler. Milit\u00e4rdienst, Verwundung und Gefangenschaft. Beschreibungen dessen, Andeutungen \u00fcber das Ausma\u00df der verh\u00e4ngnisvollen Auswirkungen, bed\u00fcrfen an dieser Stelle nicht ; der n\u00e4heren Er\u00f6rterung.<br \/>\nDer k\u00fcnstlerische Aufbruch der Nachkriegszeit kommt einem Aufatmen gleich. Im besonderen Ma\u00dfe in Th\u00fcringen, das mit dem zum Kunstzentrum erkl\u00e4rten Weimar sich damals anschickte, mit den Kunst-Hauptst\u00e4dten Berlin und Dresden zu konkurrieren.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Aus der Gefangenschaft nach Gotha entlassen brachte sich Karl Meusel in die Entwicklungsbewegungen der th\u00fcringischen Kunst der Nachkriegsjahre engagiert ein. In der wissenschaftlichen Literatur \u00fcber jene Jahre erscheint sein Name h\u00e4ufig und in verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen. Von entscheidender Bedeutung war die Gr\u00fcndung der Gewerkschaft 17 (K\u00fcrst und Schrifttum) 1945, zu deren Initiatoren Karl Meusel neben Martin Fohle, Harry Schmidt-Schaller, Eberhardt Steneberg, Kurt W. Streubel und Otto Kayser geh\u00f6rte. Jene K\u00fcnstlervereinigung war auch Veranstalter und Organisator der Ersten Th\u00fcringer Landesausstellung 1947, die als H\u00f6hepunkt im Streben um eine Neubelebung der Kunstentwicklung gelten kann.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Es war wohl nicht so sehr die Ablehnung der &#8222;Volksmassen&#8220;, die &#8222;&#8230; argw\u00f6hnisch, voller Lebensangst, ohne Selbstvertrauen, ein schuldbeladenes, ausgesto\u00dfenes Volk, blindlings hinter gro\u00dfen Forderungen wie Demokratie und Sozialismus hertaumelten &#8230;&#8220;, viel mehr war es de r 1948 einsetzende Kampf um Realismus \/ Formalismus, der Rezeptionsbedingungen verhinderte, Produktionsbedingungen verzerrte, Hoffnungen zerst\u00f6rte und folgenreiche verheerende Bedeutung erhielt. Eine kunstfeindliche Bewegung, zudem inmitten des Kalten Krieges.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Altenburg wurde \u00fcber Jahrzehnte wie ein Feind aus dem Kunstleben der DDR von den &#8222;Kunstm\u00e4chtigen&#8220; verbannt. Hermann Bruse wurde im Streit um Realismus \/ Formalismus zerrieben und starb fr\u00fch. Herrmann Gl\u00f6ckner tauchte erst nach Jahrzehnten wieder in Ausstellungen auf. Rene Graetz erholte sich niemals von den Auseinandersetzungen, Eugen Hoffmann zerbrach. Die Reihe derer, die einen Ausweg aus der Misere suchten und derer, die ihn nicht fanden, l\u00e4\u00dft sich fortsetzen.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Bezogen auf Th\u00fcringen und den Kern der dortigen k\u00fcnstlerischen Bewegungen erscheint bemerkenswert, da\u00df mit Ausnahme von Otto Kaiser und dem Anfang der 50er Jahre aus dem Verband bildender K\u00fcnstler ausgeschlossenen und 1979 wieder aufgenommenen Kurt W. Streubel alle anderen trotz ihrer unbestrittenen Verdienste offiziell aus dem Th\u00fcringer Kunstleben ausschieden.<br \/>\nEs waren viele, die nicht bereit waren, sich den Dogmen einer neuen Diktatur zu beugen. Ihr Lebensweg, ihr Werk geben Auskunft. Karl Meusel geh\u00f6rte zu ihnen.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Themen Landschaft und Mensch bestimmen das mit Stetigkeit und Z\u00e4higkeit immer wieder neu bearbeitete Werk. Der Darstellung des Menschen begegnen wir sowohl in der Malerei als auch in der Handzeichnung. Bereits in den kraftvoll lavierten, mit Tusche oder Tinte ausgef\u00fchrten, kleinformatigen Zeichnungen erkennt der Betrachter, dass es hier keinesfalls um portraithafte \u00c4hnlichkeit gehen kann. In starker Verknappung und in der Reduktion aller \u00fcberfl\u00fcssigen Zutaten wird der Dargestellte zum sinnbildhaften Gegen\u00fcber erhoben. Mimisches tritt zur\u00fcck. Meisterhaft beherrschtes Hell-Dunkel deutet Transzendentales an. In den Vordergrund ger\u00e4t der Mensch als Archetypus, als Gesch\u00f6pf, das Leiden, Schmerz, Sehnsucht nach Zuwendung signalisiert.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Expressive Steigerung erf\u00e4hrt die Darstellung der Menschen in der Malerei Karl Meusels. Neben der Verknappung auf Wesentliches kommt der Spannungsgehalt meist nur einer Farbkombination, eines Farbpaares hinzu. Der Ausdruck \u00fcberpers\u00f6nlicher Wirklichkeit wird erreicht. Es sind vergeistigte Menschenbilder. Jawlenski, der auf ganz andere, auf konstruktive Weise, \u00e4hnliches vollbrachte, nannte seine Portraits &#8222;Lieder ohne Worte&#8220;. Karl Meusels Menschenbilder sprechen von Versunkenheit, Demut und Trauer. Er verleiht Lebensgef\u00fchlen Ausdruck, die unter den Bedingungen der Zeitenwende auch dem heutigen Betrachter gegenw\u00e4rtig sind.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">\u00dcberraschend und unvermutet treffen wir in der Kunst von Karl Meusel auf Ergebnisse, die direkte Parallelit\u00e4t zu internationalen europ\u00e4ischen Kunstentwicklungen aufweisen. Nationalsozialismus und Faschismus hatten seit den drei\u00dfiger Jahren eine gegenst\u00e4ndliche und propagandistische Kunst gefordert. Der Stalinismus erneuerte das Diktat. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges war der einzelne immer mehr in der Masse untergegangen. So brach sich in dieser Epoche der verordneten Kunst und der Schrecken zwangsl\u00e4ufig das Individuum erneut Bahn. Die Chance zur Selbstverwirklichung, welche die missbrauchte, gegenst\u00e4ndliche Kunst nicht mehr bot, fand man in der Herstellung abstrakter Psychogramme, Spiegelbildern seelischer Befindlichkeit.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Unter dem Begriff des Abstrakten Expressionismus versammeln sich dementsprechend verschiedene Techniken und K\u00fcnstler, die kein gemeinsamer Stil, sondern h\u00f6chstens ein gemeinsames Ziel verbindet. Nicht mehr Form und Idee, sondern Gestus und Farbe, ureigenste bildnerische Mittel, konstituieren jetzt eine autonome Bildwelt, die Bedeutung nur aus sich heraus erzeugen will. Das Bild ist nicht mehr in erster Linie Ausdruck eines Sachverhaltes, sondern ruft durch Befreiung von formalen Zw\u00e4ngen Eindr\u00fccke, Assoziationen beim Betrachter hervor, ohne sich diesem aufzudr\u00e4ngen. In Westeuropa und den USA wird diese Kunstrichtung bestimmend f\u00fcr die 50er und 60er Jahre.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">In der th\u00fcringischen Abgeschiedenheit unter den Bedingungen der Isolation und des Schmerzes \u00fcber die Endg\u00fcltigkeit des Verlustes erf\u00fcllter Lebens- und Schaffensbedingungen findet Karl Meusel zu \u00e4hnlichen k\u00fcnstlerischen L\u00f6sungen.<br \/>\nDie ersten Abstraktionen, &#8222;in Blau&#8220;, sind noch erkennbar am Gegenstand &#8211; es ist der Blick aus dem Fenster &#8211; orientiert. Gelegentlich schwingt Impression mit. Im Verlaufe der stetigen, unentwegten Hinwendung zum Motiv gelange die zu h\u00f6chster individueller Eigenst\u00e4ndigkeit. Eleganz, Konsequenz und Strenge kennzeichnen die in den 80er Jahren entstandenen Gem\u00e4lde. Sie stellen End- und H\u00f6hepunkt dieser Entwicklung dar.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Doch es w\u00e4re falsch, die Kunst von Karl Meusel ausschlie\u00dflich orientiert am Vorbild der europ\u00e4ischen Moderne zu betrachten. Ein anderes, ein eigenst\u00e4ndiges und subjektives Moment nimmt. Einfluss auf seine Eigenart seiner Kunst.<br \/>\nLeichter erkennbar als in der Malerei ist es am zeichnerischen Werk, das, bezieht es sich auf die Landschaft, von \u00e4hnlichen Tendenzen gekennzeichnet ist. Zuweilen die Natur in fast impressionistischer Manier beobachtend, in fein abgestuften lavierten Federzeichnungen romantische Flusslandschaften einfangend, bricht sich immer wieder Subjektives Bahn. Gespinste graphischer Strukturen, hell, durchsichtig, locker oder zu dichteren Ballungen gesammelt, geben dem Betrachter Raum f\u00fcr eigene phantastische Visionen von Landschaft. In kompositorischer Strenge gegeneinander gesetzte k\u00fchne Pinselschw\u00fcnge suggerieren Weite von Himmel und Erde, Unendlichkeit des Universums. Zum Meisterwerk geraten die als &#8222;letzter Duktus&#8220; bezeichneten Aquarelle. In jenen zarten, sparsamen Abstraktionen erkennt man die gro\u00dfen Verwandten dieser Kunst in der Malerei der deutschen Romantik. Dies kann hier weniger als formal stilistisches Charakteristikum verstanden werden, sondern meint viel mehr Romantik als Geisteshaltung. Zerrissenheit und Schmerz, Sehnsucht nach Harmonie und schlie\u00dflich deren Vision. Ideal und Wirklichkeit -in der Realit\u00e4t unvereinbar &#8211; gelangen hier zu dem Punkt, in dem alles zusammenf\u00e4llt, von dem alles eine innere Einheit erf\u00e4hrt.<span class=\"style_1\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Einer der bekanntesten Aphorismen Caspar David Friedrichs beginnt mit: &#8222;Der Maler soll nicht blo\u00df das malen, was er vor sich sieht, sondern das, was er in sich sieht, &#8230;&#8220;. Die Geisteshaltung des Romantikers bildet, bewusst oder unbewusst, das programmatische Kernst\u00fcck des Lebenswerkes von Karl Meusel.<br \/>\nDas Bild der Wirklichkeit wird von der Vision des K\u00fcnstlers aufgesogen. Das innere, vision\u00e4re Bild hat Primat. Es f\u00fcgt das Getrennte zusammen und setzt alles \u00c4u\u00dfere in Beziehung mit dem Innern des einzelnen.<\/p>\n<p class=\"paragraph_style_1\" style=\"color: #584d4d;\">Reinhild Schneider, 1993<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstraktionen in Blau und Rot, malerisch in ihren Abstufungen, ausgef\u00fchrt in bewegtem, strengem, ja konsequentem Duktus. Des Menschen Antlitz auf kaltgr\u00fcnem oder rotem Grund erw\u00e4chst aus kraftvoller Lineatur in kaum zu \u00fcberbietender farblicher Spannung. Lineare Einfachheit der Umrisse, Verzicht auf schellende Detailformen &#8211; diese K\u00f6pfe beherrscht ein gesammelter Ernst, eine Art gotische Beseeltheit. Kunst von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":12,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"class_list":["post-14","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19,"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14\/revisions\/19"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wpress.km-galerie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}